Gold aus Hafning?

Goldbergbau zwischen Hafning und dem Karth


Gold in Hafning? Das klingt zunächst nach einer schönen alten Geschichte. Doch ganz aus der Luft gegriffen ist die Sache nicht.

Im Raum zwischen Gleißenfeld, Thann, Hafning und dem Karth gibt es tatsächlich Hinweise auf Goldgewinnung – und zwar aus ganz unterschiedlichen Zeiten. Besonders interessant: Im nahegelegenen Karth haben Archäologen die Spuren eines ausgedehnten römischen Goldbergbaureviers entdeckt. Jahrhunderte später wurde auch im Raum zwischen Thann und Hafning wieder nach Gold gesucht.

Was davon ist historisch belegt? Und was gehört eher in den Bereich der lokalen Überlieferung?

Gold im Karth – und zwar schon zu Römerzeiten

Beginnen wir mit dem ältesten und zugleich am besten belegten Teil der Geschichte.

Das Karth ist die bewaldete Hochfläche nahe Hafning. Dort haben Archäologen ein umfangreiches Goldbergbaurevier untersucht. Die Spuren im Gelände sind beeindruckend: Die Forscher konnten elf einzelne Abbaubereiche, zahlreiche Staubecken und fünf Wasserleitungen nachweisen. (Montanuniversität Leoben)

Die Römer suchten dort allerdings nicht nach großen Goldadern tief im Fels. Das Gold befand sich vielmehr in lockeren Ablagerungen aus Lehm, Sand, Schotter und Geröll. Solche Lagerstätten werden als sekundäre Goldlagerstätten bezeichnet.

Und genau hier kommt das Wasser ins Spiel. Die Bergleute leiteten Wasser aus höher gelegenen Bereichen über künstlich angelegte Leitungen zu den Abbauflächen. Dort wurde es in Becken gesammelt. Öffnete man die Auslässe, ergossen sich kräftige Wassermengen über die Hänge.

Das Wasser riss goldhaltigen Lehm und Schotter mit sich. Das Material wurde anschließend in Rinnen geleitet und gewaschen. Weil Gold wesentlich schwerer ist als Sand und andere Gesteinsbestandteile, blieb es in den Waschrinnen zurück.

Eine erstaunlich ausgeklügelte Technik – und das bereits vor rund 1.800 Jahren.

Goldwaschen nach der Anleitung des Plinius

Wie die Römer dabei vorgingen, wissen wir nicht nur aus den Spuren im Gelände. Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. verschiedene Verfahren des Goldbergbaus und der Goldwäsche. Ein Teil dieser Methode konnte im Karth sogar experimentell nachvollzogen werden.

Im Jahr 2020 bauten Forscher eine römische Goldwaschanlage nach und verwendeten dabei unter anderem Heidekraut als Auskleidung der Waschrinnen – eine Methode, die Plinius beschrieben hatte.

Das Ergebnis war durchaus bemerkenswert: Mit dem Gold führenden Material aus dem Gebiet konnte tatsächlich Gold gewonnen werden. Ein Versuch mit 161 Kübeln Sediment zu jeweils zwölf Litern erbrachte insgesamt 0,132 Gramm Gold.

Das klingt nach wenig. Und das war es auch. Aber der Versuch hatte einen anderen Zweck: Er zeigte, dass die in der Antike beschriebene Methode grundsätzlich auch mit dem Material aus unserer Region funktioniert.

Die moderne Forschung bestätigt damit, dass das Karth tatsächlich ein Goldbergbaurevier war. (Montanuniversität Leoben)

Wie viel Gold wurde dort gewonnen?

Das lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Sicher ist aber: Der Aufwand war beträchtlich. Wasserleitungen mussten angelegt, Staubecken errichtet und die Abbauflächen bearbeitet werden. Die technischen Anlagen im Karth bilden ein zusammenhängendes System und sind keineswegs bloß natürliche Erosionsspuren.

Die Archäologen gehen davon aus, dass der Goldabbau in der römischen Kaiserzeit stattfand. Die Fundlage deutet auf eine Nutzung möglicherweise vom 2. oder 3. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. hin. Gefunden wurden unter anderem römische Münzen, Fibeln, Werkzeuge und Fragmente von Dachziegeln.

Damit ist eines ziemlich klar:

In unserer näheren Region wurde bereits in der Römerzeit professionell Gold gewonnen.